Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht

30. Januar 2017

Mediation ist nicht Voraussetzung für Druckkündigung

Eine sog. Druckkündigung liegt vor, wenn der Arbeitgeber eine Kündigung unter dem Druck (also auf Verlangen) eines Dritten ausspricht, obwohl ein Kündigungsgrund an sich nicht gegeben ist. Eine solche Kündigung kann zur Vermeidung erheblicher Nahteile für den ARbeitgeber gerechtfertigt sein. Voraussetzung ist allerdings, dass sich der Arbeitgeber zuvor erfolglos schützend vor den Arbeitnehmer gestelllt hat und gegenüber dem Dritten alles Zumutbare unternommen hat, um die Kündigung abzuwenden. Es ist nicht zwingend erforderlich, in diesem Zusammenhang eine innerbetriebliche Mediation anzubieten (BAG, Urteil vom 19.07.2016 - 2 AZR 637/15).

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24. Oktober 2016

Verjährungshemmung durch Gütestellenverfahren bei Anlegerberatung

Abgelegt unter: Handelsrecht, Verhandlungs- und Konfliktmanagement — Tags:, , — anwalt @ 10:26

Soll durch die Bekanntgabe eines Antrages bei einer Gütestelle die Verjährung gehemmt werden, so muss der Verfahrensgegenstand hinreichend individualisiert werden. Dafür muss der Antragsteller, die Zeichnungssumme und den Beratungszeitraum angeben. Ferner muss auch der Ablauf der Beratung zumindest in groben Zügen geschildert werden. Darüber hinaus muss der Antragsteller auch angeben, was er mit dem Gütestellenantrag erreichen möchte. Nicht ausreichend sind Angaben, bei denen Antragsgegner und Gütestelle noch Nachforschungen zum Gegenstand des Verfahrens anstellen müssen. So ist es nicht ausreichend, wenn der Antragsteller zur Individualisierung eine für die Gütestelle nicht einordbare Beteiligungsnummer angbit (OLG München, Urteil vom 20.06.2016 - 21 U 3887/14).

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10. August 2016

Anforderungen an Bestimmtheit des Güteantrages

In Anlageberatungsfällen sind bei Anträgen an eine Gütestelle besonders hohe Anforderungen zu stellen, wenn durch einen solchen Antrag der Lauf der Verjährungsfrist gehemmt werden soll. Dabei muss insbesondere auch der individuelle Hergang der Beratung sowie das Verfahrensziel und der (geschätzte) Umfang des geltend gemachten Schadens angegeben werden (BGH, Beschluss vom 04.05.2016 - III ZR 90/15).

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21. April 2016

Zuständigkeit der Gesellschafterversammlung für Rechtsstreit mit ehemaligem Geschäftsführer

Über die Einlegung eines Rechtsmittels in einem Rechtsstreit gegen den abberufenen Geschäftsführer entscheidet die Gesellschafterversammlung, wenn diese auch für die bisherige Führung des Verfahrens zuständig war. Dementsprechend kann der Geschäftsführer in einem solchen Fall für die Einlegung des Rechtsmittels auch keine Prozessvollmacht an einen Rechtsanwalt erteilen (BGH, Beschluss vom 02.02.2016 - II ZB 2/15).

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Keine Ablehnung eines Schiedsrichters aufgrund eines Vergleichsvorschlages

Abgelegt unter: Handelsrecht, Verhandlungs- und Konfliktmanagement — Tags:, — anwalt @ 13:41

Erteilen die Mitglieder eines Schiedsgerichts den Parteien vor der mündlichen Verhandlung rechtliche Hinweise und unterbreiten sie einen Vergleichsvorschlag, so begründet dies nicht Besorgnis der Befangenheit der Schiedsrichter. Das gilt auch dann, wenn die Schiedsrichter ihre Hinweise nicht im Konjunktiv formulieren, um die Vorläufigkeit der Auffassung besonders zu unterstreichen (OLG München, Beschluss vom 24.11.2015 - 24 SchH 5/15).

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30. November 2015

Anforderungen an Schiedsklauseln in Gesellschaftsverträgen

Eine sog. einfache Schiedsklausel in einem Gesellschaftsvertrag ist wirksam, soweit es nicht um Beschlussmängelstreitigkeiten geht. Eine Einbeziehung aller Gesellschafter ist bei einfachen Feststellungsklagen (hier: über die Feststellung der Kompetenzen eines Beirates) nicht erforderlich (BGH, Beschluss vom 16.04.2015 - I ZB 3/14).

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12. Oktober 2015

Unrichtige Angaben über Kosten einer Partei im Schiedsverfahren

Macht eine Partei in einem Schiedsverfahren bewusst unwahre Angaben über die ihr für das Verfahren entstandenen Kosten, um eine falsche Kostenentscheidung herbeizuführen, so kann darin eine sittenwidrige Schädigung (§ 826 BGB) der anderen Partei liegen. Für den Schaden haftet nach § 826 BGB auch der Geschäftsführer der Partei persönlich. Prozessual ist ein entsprechender Anspruch im ordentlichen Rechtsweg und nicht vor einem Schiedsgericht geltend zu machen (OLG Köln, Urteil vom 07.08.2015 - 1 U 76/14).

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5. August 2015

Hemmung der Verjährung durch Verhandlungen

Abgelegt unter: Handelsrecht, Verhandlungs- und Konfliktmanagement — Tags:, — anwalt @ 16:40

Die Verjährung von Ansprüchen ist gehemmt, solange zwischen den Parteien Verhandlungen geführt werden. In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Verhandlungen in Stillstand geraten oder “einschlafen”, ohne dass eine Partei sie ausdrücklich für gescheitert erklärt. In diesen Fällen ist es schwierig, das Ende der Hemmung zu bestimmen. Das Ende ist bei einschlafenden Verhandlungen anzunehmen, wenn der andere Verhandlungspartner nicht in einer Zeit reagiert, die im Einzelfall objektiv zu erwarten ist. Hier gibt es keine klaren Grenzen. Geht es bei der Reaktion nur um die Übersendung ohne Weiteres zugänglicher Informationen, soll eine Reaktion mit einer Frist von zwei Wochen zu erwarten sein (OLG Hamm, Urteil vom 24.02.2015 - 24 U 94/13).

In Zweifelsfällen sollten die Parteien klare Regelungen über die Verjährung treffen. Auf eine Hemmung der Verjährung durch Verhandlungen sollte der Anspruchsteller im Zweifel nicht vertrauen.

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9. März 2015

Keine automatische Geltung der Schiedsvereinbarung für eine Bürgschaft

Wenn in einem Unternehmenskaufvertrag eine Schiedsgerichtsvereinbarung aufgenommen wurde, so gilt diese nicht für einen im Zusammenhang mit diesem Kaufvertrag geschlossenen Bürgschaftsvertrag, wenn dieser keine eigene Schiedsgerichtsklausel enthält (OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 29.10.2014 - 23 U 62/14).

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16. Februar 2015

Mehrheitsentscheidungen bei Personengesellschaften

In Personengesellschaften können Entscheidungen durch einfache Mehrheit getroffen werden, wenn der Gesellschaftsvertrag dies vorsieht. Das gilt selbst dann, wenn es sich um sehr grundlegende Entscheidungen handelt. Bestimmt der Gesellschaftsvertrag also, dass “grundsätzlich alle Entscheidungen mit einfacher Mehrheit” getroffen werden, so gilt die auch für sehr grundlegende Entscheidungen wie z.B. Anteilsübertragungen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn der Gesellschaftsvertrag hier wiederum Ausnahmen vorsieht (BGH, Urteil vom 21.10.2014 - II ZR 84/13).

Die Gesellschafter von Personengesellschaften sollten bei Abschluss des Gesellschaftsvertrages die Regelungen zu Mehrheitserfordernissen genau prüfen.

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